Projekt “Aufbau einer zeitgeschichtlichen Sammlung mit Schwerpunkt ‚Strukturwandel
in Gladbeck von 1800 bis heute’”
Das Museum sucht Ausstellungsstücke, mit denen
das Thema Strukturwandel in Gladbeck von 1800 bis heute sozio-ökonomisch
dargestellt werden kann. Zu diesem Zweck arbeitet seit Januar 2006 eine
Projektgruppe. Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Die
Projektgruppe unter Leitung von Stadthistoriker Weichelt besteht aus Museumsleiter
Dr. Schneider, Museumspädagoge Schmidt sowie einem zuarbeitenden ABM-Mitarbeiter,
z.Zt. Herr Dornheim.
Das Ziel ergibt sich aus dem Projektauftrag: Ergänzung der derzeitigen
Sammlung des Museums mit dem Ziel, eine Neuausrichtung der Dauerausstellung
unter dem Stichwort “Strukturwandel” herbeiführen zu können.
Sie können uns dabei helfen. Wenn Sie über Ausstellungsstücke verfügen,
die Sie uns zur Verfügung stellen wollen, dann rufen Sie im Museum
der Stadt an (02043-23029, Herr Palatty).
Nachfolgend schildern wir einige Beispiele. Bereits erworbene Stücke
sehen Sie in der Galerie unter
“Sammlung Strukturwandel”.
1. Arbeitsschwerpunkte (Stand August 2007)
Der Suche nach geeigneten Exponaten geht jeweils die Fachanalyse verschiedener
Aspekte der Gladbecker Geschichte voraus.
Zunächst einmal standen die Themen “Strukturwandel in der Agrargesellschaft”
sowie “Strukturwandel mit Beginn der Industrialisierung” im Mittelpunkt.
Das Problem besteht nach erfolgter Analyse immer in der Exponatbeschaffung.
Anhand der nachfolgenden Beispiele sollen verschiedene Formen der Suche nach
geeigneten Ausstellungsobjekten und –formen aufgezeigt werden.
Krautfabrik Buter
Am Beispiel der Krautfabrik Buter werden mehrere Aspekte des Strukturwandels
im Industrialisierungsprozess deutlich: Mechanisierung der Landwirtschaft
durch Einsatz von Dampfkesseln, Industrialisierung der Lebensmittelherstellung,
Wandel der Landwirtschaft von der Bedarfsdeckung (lokal) zur “Überproduktion/
Mehrwert”. (regional/ international)
Die Analyse und Darstellung des Themas kann über zeitgenössische Berichte,
Bauakten, Fotos sowie Zeitungsanzeigen erfolgen.
Die Suche nach geeigneten Exponaten wird in den nächsten Tagen auch
in Gladbeck intensiviert werden.
Auf jeden Fall soll in den ersten Monaten a) ein Modell des Dampfkessels
gebaut werden und b) die Hofesanlage mit Haupthaus und Krautfabrik als 3-D-Simulation
umgesetzt werden. Dabei wird jeweils der Zustand um 1925 rekonstruiert.
Bahnhof Kirchhellen
Der erste Bahnhof auf Gladbecker Gebiet war der “Bahnhof Kirchhellen”.
Er lag im äußersten westlichen Zipfel des Kirchspiels, unmittelbar an
der heutigen Stadtgrenze zu Bottrop. Der Bahnhof war ein Haltepunkt der Bahnlinie
Duisburg-Quakenbrück und hatte lediglich von 1879 bis 1888 bestand.
Verkehr, speziell der moderne Eisenbahnverkehr, ist Ausdruck und Motor des
Strukturwandels zugleich. Mit dem Standort dieses ersten Kirchhellener Bahnhofs
auf Gladbecker Gebiet verbinden sich Fragen nach dem “was wäre
gewesen, wenn ...”. Wäre es zu einer frühen Zechengründung
in Kirchhellen/ Rentfort gekommen, dann hätte die Siedlungsentwicklung
im Zusammenhang Zeche und erster Kirchhellener Bahnhof in Rentfort eine ganz
andere Entwicklung genommen.
Bislang wurde das Thema durch Quellenstudium anhand von Bauakten, Luftbildern,
der Eisenbahngeschichte, mündliche Überlieferung sowie Geländebesichtigungen
bearbeitet. Sollte die Projektgruppe nach Auswertung aller bekannter Quellen
zu dem Ergebnis kommen, dass eine genauere “Stadtarchäologische” Bodenuntersuchung
durch Grabungsschnitte Sinn macht, soll dies im kommenden Frühjahr angegangen
werden.
Der Bergbau
Das zentrale Thema der Gladbecker Geschichte ist der Bergbau.
Im den letzten Monaten wurden eine große Zahl unterschiedlicher Arbeitsgeräte
erworben. Dies sowohl durch gezielte Einzelkäufe als auch durch Übernahme
bzw. Erwerb von Sammlungen. Darunter befand sich u.a. ein Konvolut aus privater
Hand, das über 50 Stücke umfasste.
Bergbauliche Exponate werden weiter gezielt gesucht und erworben. Hinzu kommen
soll im zweiten Halbjahr aber auch die Suche nach aussagekräftigen Exponaten
aus der Zuliefererindustrie des Bergbaus.
Neben den etwas detaillierter geschilderten Suchfeldern wurden folgende weitere
Kapitel, zum Teil auch ohne konkreten Erfolg, sprich ohne Exponaterwerb,
bearbeitet:
- Ziegeleien als Begleiter des Strukturwandels (Ziegelei Vaerst)
- Alltagsgegenstände
- Kultur/ Religion
- “Begleitstücke” (z.B. Münze von 1603 mit Wolfsangeln)
2. Arbeitsschwerpunkte (Perspektiven)
Der Schwerpunkt verschiebt sich im zweiten Abschnitt des Projekts auf den
Strukturwandel in der Nachfolge des Bergbaus. Dennoch werden “alte
Themen”
(Bergbau, Zuliefererindustrie, Bahnlinien) weiter mit geführt.
Textilindustrie
Die Gladbecker Textilindustrie bietet ausgehend von der Heimarbeit und dem
qualifizierten Handwerksmeister(innen)betrieb bis hin zur industriellen Produktion
eine Reihe gut zu verfolgender Entwicklungen. (Pfeil/ Buschfort)
Diese gilt es anhand der Quellenlage zu analysieren um schließlich gezielt
Exponate suchen und erwerben zu können.
Dabei stellt die Firma Buschfort den Endpunkt dar. Interessanter erscheinen
z.Zt. aber kleinere Betriebe, die z.T. nur sehr kurz am Ort produziert haben.
Der Exponaterwerb richtet sich hierbei nicht nur auf Produktionsmittel (Maschinen
etc.). Auch und gerade die Produkte werden – z.T. im Gegensatz zur Rohstoffindustrie
– interessant.
Moderne Fertigungsindustrien in der Nachfolge des Bergbaus am Beispiel
der Firma Siemens
Nach der Ansiedlung der Opel-Werke in Bochum war die Ansiedlung von Siemens
in Gladbeck die zweitgrößte Industrieansiedlung im Ruhrgebiet in den
1960-iger Jahren. Siemens Gladbeck ist deshalb nicht nur ein bedeutsames
stadtgeschichtliches Kapitel des Strukturwandels.
Bislang konnten aus privater Hand eine Reihe von Stücken erworben werden,
die bei Siemens in Gladbeck gebaut wurden. Dieser Sammlungskern soll systematisch
durch weitere Erwerbungen aus privater Hand aber auch vom Hersteller selbst
erweitert, möglichst vervollständigt werden.
Hinzu werden selbstverständlich auch Fotos, Schriftstücke und Erinnerungen
zu diesem Themenkomplex gesammelt.
Chemische Industrie (IG Farben und Phenol)
Bereits in den 1930-iger Jahren wurde die chemische Industrie für die Gladbecker
Geschichte relevant: durch die Ruhrölanlage in Gelsenkirchen-Horst,
die eine große Werkssiedlung in Gladbeck auf dem Rosenhügel errichtete,
und noch unmittelbarer durch die IG Farben, die neben der Zeche Zweckel ein
Werk errichtete, das nach der NS-Zeit demontiert wurde und in dem seit 1952/54
Phenol produziert wurde (heute INEOS Phenol).
Die chemische Industrie wurde schon relativ früh zum, zwar kleinen,
aber immerhin “zweiten industriellen Standbein”.
Dieses Thema wird ab Ende des Jahres bearbeitet werden.
Weiterhin sollen folgende Themen eine Rolle spielen :
- modernste Industrien am Beispiel der Firmen des IWG
- Zeugnisse verschiedener Ethnien und Kulturen
- Veränderungen des Alltags (z.B. Haushaltsgegenstände etc.)
- religiöser Wandel
3. Stand und Ausblick
Die Sammlung des Museums konnte durch die Projektarbeit sinnvoll und zielgerichtet
erweitert werden.
Der Exponaterwerb benötigt entsprechenden zeitlichen Vorlauf, der dadurch
bedingt ist, dass zunächst analysiert, dann gesucht und schließlich
erworben werden kann. Deshalb ist zu erwarten, dass im zweiten Abschnitt
des Projekts noch mehr Objekte erworben werden können.
Der bisherige Stand und die oben formulierten musealen Ziele und Desiderate
(Wünsche, Hoffnungen) werden eine exponatenreiche, vielfältige
und erkenntnisfördernde Dauerausstellung zur Gladbecker Geschichte unter
dem besonderen Aspekt des Strukturwandels ermöglichen. Geschichte und
Strukturwandel werden attraktiv.